Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ Aktuell am 1. Februar 2015 | Neu im Freiburger Herz-Jesu-Kloster
Pater Jairson Hellmann SCJ
Foto: scj.de

„Es gibt große Sympathien für Deutschland“

Pater Jairson Hellmann SCJ ist in der vergangenen Woche am Frankfurter Flughafen gelandet. Der 36-jährige Brasilianer will in der Deutschen Provinz der Herz-Jesu-Priester leben und arbeiten. Über seine ersten Eindrücke und was seine Freunde zu seinem Entschluss gesagt haben, ins Ausland zu gehen, berichtet er im Interview.

Pater Jairson, ist Deutschland in Ihren Augen ein Missionsland?

Für mich ist Deutschland kein Missionsland in dem Sinn, wie man früher „Mission“ verstanden hat. Ich würde es lieber „Neue Evangelisation“ nennen. Die Deutschen haben schon einen Glauben. Meine Aufgabe hier ist es, den Menschen die Botschaft Jesu Christi lebendig zu machen. Mit meiner Präsenz hier möchte ich ein Zeichen sein, dass Gott unter den Menschen ist und dass seine Botschaft aktuell ist.

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ich habe schon immer mit dem Gedanken gespielt, ins Ausland zu gehen. Vielleicht Chile, Uruguay oder auch Europa. Im vergangenen August traf ich dann den deutschen Provinzial Pater Heiner Wilmer SCJ, der unsere brasilianische Provinz besucht hat. Er hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, nach Deutschland zu kommen. Nach Rücksprache mit meinem Provinzial habe ich dann sofort zugesagt. Die Deutsche und die Brasilianischen Provinzen haben ja schon lange eine Partnerschaft, und es gibt einige meiner Mitbrüder, die hier arbeiten. Ich finde es toll, jetzt dabei zu sein.

Was haben Sie in Brasilien gearbeitet?

Ich bin 2008 zum Priester geweiht worden. Danach war ich Ausbilder für das Kleine Seminar in Südbrasilien, später dann verantwortlich für die Berufungspastoral. Ich habe in verschiedenen Häusern in der Provinz gelebt und dort Ideen und Projekte für die Berufungspastoral entwickelt. Ich habe Schulen besucht, Katechesen in Pfarreien begleitet, den Kontakt zu den Familien der Seminaristen gepflegt und Veranstaltungen zur Berufungspastoral organisiert.

Sie sind vor ein paar Tagen in Frankfurt gelandet. Was waren Ihre ersten Eindrücke von Deutschland und den Deutschen?

Es war bitterkalt. In Brasilien sind es zurzeit 30 Grad. Ich war ja noch nie in Europa und kenne den Winter hier nicht, obwohl es in Südbrasilien, von wo ich stamme, auch kalt werden kann. Das war ein kleiner klimatischer Schock. Aber es war auch toll: Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Schnee gesehen. Meine Ankunft, das war sowieso ein toller Moment. Einige Mitbrüder haben mich vom Flughafen abgeholt und mich sehr herzlich empfangen. Es war zwar kalt draußen, aber drinnen ist mir warm geworden. Wie die Deutschen sind? Das weiß ich noch nicht so recht. Aber ich habe schon vieles über sie gehört. Ich bin gespannt zu sehen, ob es zum Beispiel stimmt, dass sie sehr organisiert sind. Ich lasse mich überraschen.

Sie werden nun Deutsch lernen und danach - was kommt dann?

Ja, ich werde erst Deutsch lernen, und dann werde ich in das Leben der Deutschen Provinz einsteigen. Wo genau ich arbeiten werde, weiß ich noch nicht. Auf jedem Fall habe ich vor, eine lange Zeit hier zu bleiben. Vorausgesetzt ich schaffe es, gut Deutsch zu lernen.

Wie haben Sie sich auf Ihren Aufenthalt hier vorbereitet?

Ich habe ja deutsche Vorfahren. Das heißt, ich habe mich schon früher für Deutschland interessiert. Und ich habe mit anderen Mitbrüdern gesprochen, die bereits hier gewesen sind, und online recherchiert. Ich habe viel über die deutsche Kultur gelesen – natürlich auf Portugiesisch. Es gibt einen bekannten brasilianischen Soziologen, Luis Antonio Groppo, der über die deutsche Jugend geschrieben hat. Da ich mit jungen Leuten gearbeitet habe, habe ich auch vieles von ihm gelesen und dadurch einen Eindruck von den deutschen Jugendlichen bekommen.

Was haben Ihre Freunde und Ihre Familie zu Ihrem Entschluss gesagt?

Sowohl meine Eltern als auch meine Freunde haben mich unterstützt, weil sie eine große Sympathie für Deutschland haben, wie viele aus meiner Gegend, weil sie deutsche Vorfahren haben. Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat einen guten Eindruck während der Weltmeisterschaft in Brasilien hinterlassen. Nicht wegen der vielen Tore gegen die Brasilianer im Halbfinale, sondern vor allem wegen ihres fairen Umgangs mit den Spielern danach.

Interview und Übersetzung: P. Levi dos Anjos Ferreira SCJ

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