Montag, der 27. März 2017
SCJ Aktuell 2. August 2015 | Schule für Kamerun
Pater Emmanuel Nnomo Zambo SCJ

Interview

Eine Schule für Kamerun

Pater Emmanuel Nnomo Zambo SCJ ist Herz-Jesu-Priester und kommt ursprünglich aus Kamerun. Dort ist er 1998 in den Orden eingetreten, vor sechs Jahren hat er die Priesterweihe empfangen. Gemeinsam mit seinen Mitbrüdern möchte er in seiner afrikanischen Heimat eine Schule aufbauen und hat sich deshalb die Ordensschule in Handrup genauer angesehen. Ende Juli fliegt er zurück. Im Interview erzählt er, was er in Deutschland erlebt hat und welche Eindrücke er mit nach Kamerun nimmt. 


Pater Emmanuel SCJ, lange waren Sie hier in Deutschland? 

Zwei Jahre und zwei Monate. Zunächst war ich in der Ordensniederlassung in Freiburg, um die deutsche Sprache zu lernen und anschließend in Handrup. Dort habe ich ein Praktikum an unserer Ordensschule absolviert.

Warum wollten Sie dieses Praktikum am Leoninum in Handrup machen? 

Ich wollte das deutsche Schulsystem kennenlernen und zwar in einer katholischen Schule. So bot es sich an, nach Handrup zu gehen. Wir wollen in Kamerun ebenfalls eine Schule eröffnen. Am Leoninum konnte ich lernen, wie zum Beispiel eine Schule in Deutschland organisiert ist und mir überlegen, was für uns in Kamerun wichtig ist, was wir ähnlich machen könnten. Die Schule, die wir gründen wollen, wird eine Berufsbildende Schule sein, mit dem Schwerpunkt AGRAR. Das heißt, ein Landwirtschaftliches Gymnasium. In Handrup konnte ich grundsätzlich lernen, wie man eine Schule leitet und habe einen Einblick in die wichtigen Aufgaben der Schulleitung erhalten: Schulmanagement, Personalführung und Vertretung der Schule nach außen hin.

Im Januar werde ich erneut nach Deutschland kommen, um mir dann in Lingen die Abläufe an einer Berufsbildenden Schule anzusehen. Die Schule in Kamerun soll den Schülern nicht nur eine gute Ausbildung ermöglichen, sondern dazu beitragen, dass die jungen Menschen zu reifen Persönlichkeiten heranwachsen. Dazu ist uns auch die christliche Prägung der Schule ein entscheidendes Anliegen. 

Welche Erfahrungen waren für Sie besonders wichtig?

Für mich waren alle Erfahrungen, die ich hier machen durfte, wichtig. Ich habe gesehen, dass Schule eine Gemeinschaft ist. Eine Gemeinschaft, in der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, Schulträger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in je einiger Weise und mit je spezifischer Verantwortlichkeit an dem gemeinsamen Projekt der Erziehung und Bildung zusammenwirken. 
Ich komme ja aus einem Entwicklungsland und deshalb war ich sehr neugierig darauf, wie die Leute hier leben und wie die Dinge hier funktionieren. Gleichzeitig kam bei mir manchmal auch die Frage auf, warum wir in Kamerun so ganz anders leben, als die Menschen in Deutschland.

Welche Unterschiede haben Sie erlebt?

Ein gravierender Unterschied ist das Klima in Deutschland. Hier gibt es vier Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. In Kamerun haben wir nur zwei Jahreszeiten, nämlich die Trockenzeit und Regenzeit. Zu erleben, wie deutlich sich die Natur im Wechsel der Jahreszeiten verändert, das war für mich etwas ganz Besonderes. 

Aber es gibt auch Unterschiede im Verhalten der Leute. In Deutschland gibt es viele Regeln, an die man sich halten muss. Man muss aufpassen, dass man nichts falsch macht. Wenn man in Deutschland jemanden besuchen möchte, dann kann man das nicht einfach tun, wann man möchte, sondern muss einen Termin vereinbaren und sich anmelden. In Kamerun sind wir da viel spontaner. Eine andere Sache, die ich nicht kannte, betrifft die Rechnung im Restaurant. Wenn man in Deutschland mit anderen Essen geht, dann überlegt man, ob man zusammen oder getrennt zahlt. Wenn ich in Kamerun meinen Freunden vorschlage, zum Essen in ein Restaurant zu gehen, dann ist es selbstverständlich an mir, die Rechnung zu begleichen. Mir ist aufgefallen, dass die Leute hier sehr viel Kaffee trinken. Ich scherze manchmal, dass diejenigen, die so viel Kaffee trinken, die sind, die besonders viel arbeiten. In Kamerun sagt man: „Kaffee ist die Sache der Europäer.“ Wir produzieren ihn zwar, verbrauchen selbst aber nur sehr wenig. 

Interview: Regina Maria Schwarz; Redaktion: Peter Hummel

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