Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ Aktuell 20. Dezember 2015 | Priesterjubiläum
Pater Konrad Flatau SCJ. Foto: scj.de

Goldenes Priesterjubiläum

"Diener der frohen Botschaft bin dich durch die Gnade Gottes geworden"

Pater Konrad Flatau SCJ, Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Maria Kartental  feiert sein Goldenes Priesterjubiläum  Warum er sich vor 50 Jahren entschieden hat, sich zum Priester weihen zu lassen und wie der diesen besonderen Tag verbringen möchte, erzählt er im Interview.

Sie haben dieser Tage Ihr Goldenes Priesterjubiläum. Wie werden Sie diesen Tag feiern?

Ich werde diesen Tag in Stille feiern. Dieser Tag soll für mich ein Tag der Besinnung, des Rückblicks und der Erinnerung sein. Ich möchte für mich selbst Bilanz ziehen und nicht groß feiern.

Was hat Sie vor 50 Jahren bewogen, Herz-Jesu-Priester zu werden?

Dieser Weg hat natürlich nicht erst vor 50 Jahren begonnen, sondern schon wesentlich früher. Die Entscheidung, Priester zu werden, hat mit meiner Biografie zu tun. Ich bin in Ostpreußen geboren und habe Flucht und Gewalt nach dem Krieg durch die Besatzungsmächte, vor allem von der russischen Besatzungsmacht, erlebt. Diese Erfahrung hatte Einfluss auf meinen Berufswunsch. Mich hat die Frage bewegt, was man tun kann, damit Gewalt künftig verhindert werden kann. Bei dieser Frage hatte ich zwei Alternativen vor Augen: mich als Polizist oder Soldat für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen – aber das lag mir beides nicht, oder als Priester oder Lehrer für eine gerechte und friedliche Welt zu wirken. So habe ich mich schließlich entschieden, Priester zu werden. Die Herz-Jesu-Priester habe ich in meiner Pfarrei kennengelernt und bin von dort aus auf das Internat und die Schule der Herz-Jesu-Priester gegangen. So war es für mich naheliegend, in diese Kommunität einzutreten, auch deshalb, weil ich in einer Gemeinschaft leben wollte.

Wie schafft man es, einer Berufung so lange Zeit treu zu sein?

Wir sprechen ja von „Berufung“. Man kann den Ruf nicht hören, wenn man nicht auch den Rufenden, Jesus Christus, hört. Es ist wichtig, sich an ihm festzumachen und sich immer wieder neu auf ihn hin auszurichten. Ich habe mir damals ein paulinisches Wort zum Leitwort gewählt, das auf meinem Primizbild abgedruckt ist: „Diener der frohen Botschaft bin ich geworden durch Gottes Gnade.“ Ich habe erfahren, dass Gott mich ruft, dass ich Freude daran habe, das Evangelium weiterzutragen und dass es Menschen gab, die mich in diesem Dienst unterstützt haben. Es gibt einen Heiligen, den ich besonders verehre, den Heiligen Papst Pius X. Viele möchten von ihm heute nichts mehr hören, weil die Piusbruderschaft ihn für sich in Anspruch genommen hat, aber sein Wahlspruch war: „Alles in Christus verwurzeln“, „Instaurare omnia in Christo“. Für mich ist das ein großer Ansporn. Zunächst, dass ich selbst in Christus verwurzelt bin und dass ich mich bemühe, das auch weiterzugeben. Begegnung gehört ja fundamental zum Glauben dazu. Ich bin sehr dankbar, dass ich Mitmenschen habe, die mich immer wieder auf meinem Weg bestärkt und auch mitgetragen haben – innerhalb der Ordensgemeinschaften und Freunde außerhalb.

Gab es für Sie auch Zeiten der Trockenheit? 

Zeiten der Trockenheit gibt es in jedem Leben. Die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Ich hatte immer wieder, auch heute als Rektor in Maria Martental, Leitungsaufgaben. Da ist es normal, dass es auch Widerspruch und Opposition gibt. Ich habe darin stets eine Herausforderung gesehen. Wenn man sich in solchen Zeiten an Christus festmacht, gelingt es einem auch, diese durchzustehen. Natürlich hat man in Leitungsämtern Personen an seiner Seite, die einem beratend und helfend zur Seite stehen. 

Was empfinden Sie, wenn Sie auf die vergangenen 50 Jahre zurückblicken?

Wenn ich zurückblicke, bin ich der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester sehr dankbar. Ich durfte in Rom an der Gregoriana studieren, genau zu Beginn des Konzils. Ich habe die Eröffnung des Konzils und den ganzen Verlauf mitbekommen. 1965 wurde ich zum Priester geweiht. Diese Zeit war für mich sehr wertvoll. Ich habe Weltkirche erlebt und habe die Wandlung der Kirche in dieser Zeit mitbekommen. Ich durfte erleben, wie viel Leben in der Kirche ist und wie viel Neues aufbricht. In diesen Studienjahren hatten meine Kommilitonen und ich häufig Kontakt zu jenen, die am Konzil teilnahmen – nicht zur zu den Kardinälen, sondern auch beispielsweise zu den Brüdern aus Taize, die als Gäste da waren. Später habe ich noch in Trier und in Innsbruck studiert, um für die Ausbildung unserer Studenten alle wichtigen Voraussetzungen mitzubringen. Dann wurde ich mit Leitungsaufgaben betraut – ebenfalls eine sehr schöne Erfahrung. Denn dort, wo andere einem eine solche Verantwortung übertragen, erfährt man auch deren großes Vertrauen. 

Interview: Regina Maria Schwarz; Redaktion: Peter Hummel

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