Montag, der 27. März 2017
SCJ Aktuell 22. November 2015 | Das aktuelle Interview
Pater Franz Hoch SCJ. Foto: scj.de

20 Jahre Pflasterstube

 

"Ein gemeinsames Projekt der Klöster und der Caritas in Freiburg" 

 

Pater Franz Hoch SCJ ist Herz-Jesu-Priester in Freiburg. Auf seine Initiative hin ist vor 25 Jahren ein Projekt zur Unterstützung wohnungsloser Menschen entstanden. Vor 20 Jahren entwickelte sich daraus die Pflasterstube. Anlässlich dieses Jubiläums erzählt der Ordensmann, wie er auf diese Idee kam und wie die Pflasterstube Menschen ohne Obdach hilft.

 

 

Pater Franz Hoch SCJ, wie ist das Projekt der Pflasterstube entstanden?


In den 80er Jahren gab es ein paar sehr kalte Winter und in diesen Jahren haben immer wieder Obdachlose vor der Kapelle oder vor der Klosterpforte der verschiedenen Orden in Freiburg und Umgebung übernachtet. Auf einer der Versammlungen der Arbeitsgemeinschaften der Orden der Erzdiözese Freiburg haben wir uns über die Not dieser Menschen ausgetauscht und überlegt, wie man diesen Personen helfen kann. So entstand die Idee, einen runden Tisch zu bilden, an dem ein Vertreter aus jeder Ordensgemeinschaft der Erzdiözese Freiburg sitzt. Wir haben bei diesen Gesprächen festgestellt, dass insgesamt pro Tag etwa zweihundert bis zweiundertfünfzig Essen an den Klosterpforten ausgegeben wurden – in der Regel keine warmen Mahlzeiten, sondern eine Brotzeit. Um wohnungslosen Menschen effektiver helfen zu können, war uns schnell klar, dass wir die Unterstützung eines Fachmanns brauchten. So haben wir in den Ordensgemeinschaften angefragt, ob es nicht möglich wäre, durch eine monatliche Spende etwa eine halbe Stelle für einen Sozialarbeiter zu schaffen. Herr Mattern hat diese Aufgabe damals übernommen und uns in unserem Anliegen beraten. Er hat unter anderem die Klosterpforten besucht und geschaut, wie die Hilfe läuft. Eines Tages kam es zu einer besonderen Situation: Ein sehr bekannter junger wohnungsloser Mann hatte offene Füße. Er kam jedoch – aus welchem Grund auch immer – in keiner Klinik unter, wo man ihn behandelt hätte. Eines Tages war dieser Mann verschwunden, er kam einfach nicht mehr und keiner wusste, wo er abgeblieben war. Das hat uns und unserem Sozialarbeiter keine Ruhe gelassen. Aufgrund dieser Erfahrung sahen wir die Notwendigkeit einer Art Praxis mit Fußpflege und einer examinierten Krankenschwester oder einem Krankenpfleger, damit dort die Wunden der obdachlosen Personen angesehen und versorgt werden könnten. Wir Ordensgemeinschaften haben uns mit der Caritas in Freiburg zusammengeschlossen und vor zwanzig Jahren einen Raum der Caritas erhalten. So ist die sogenannte Pflasterstube entstanden. 

Neben der medizinischen Versorgung leistet die Pflasterstube aber auch noch mehr?

Ja. Wohnungslose können hier frühstücken, sie können duschen, ihre Wäsche waschen, wenn ihnen Kleidung fehlt, dann können sie aus unserer Kleiderkammer etwas zum Anziehen und auch Schuhe erhalten. Unsere Sozialarbeiter helfen bei Behördengängen, und vieles mehr.

 

Die Pflasterstube wird von Spenden getragen?

 

Ja, die Pflasterstube läuft auf der Basis von Spenden. Auch die öffentlichen Bäckereien unterstützen uns dadurch, dass sie uns abends das Brot bringen, das vom Tag übrig geblieben ist. Von Lebensmittelgeschäften erhalten wir Lebensmittelspenden. Wir laden aber auch immer mal wieder zu einem Tag der offenen Türe ein, damit Menschen dieses Projekt kennenlernen können, und sehen, was wir machen und wo die Spenden hinfließen.

 

Gibt es in der Advents- und anschließenden Weihnachtszeit für die wohnungslosen Menschen ein besonderes Angebot?

 

Ja, sie bekommen ein Weihnachtspacket. Im Winter werden wir nun auch jeden zweiten Samstag öffnen – normalerweise haben wir von Montag bis Freitag offen. Wir bemühen uns, den Bedürftigen diese Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir fragen, wie sonst auch, nach, wie wir diesen Menschen helfen können und manchmal kann man auch einen Wunsch erfüllen, wenn es zum Beispiel darum geht, dass eine wohnungslose Person für einen Besuch ein Zugticket bräuchte, dies aber nicht bezahlen kann.

 

Was macht die Arbeit in der Pflasterstube besonders?

 

Es ist schön, den Menschen konkret helfen zu können. Die Zusammenarbeit in unserem Team, die Zusammenarbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen, ist großartig. Unser Team besteht aus zweieinhalb hauptamtlichen Stellen und fünfunddreißig bis vierzig Ehrenamtlichen. Sehr häufig haben wir auch eine Praktikumsstelle, oftmals ein Theologiestudent oder jemand, der Caritaswissenschaften studiert. Auch ein Mitbruder hat unser Team gerade für ein halbes Jahr jeden Montag unterstützt und sein Sozialpraktikum in der Pflasterstube absolviert. 


Interview: Regina Maria Schwarz; Redaktion: Peter Hummel

 

Gottesdienste

Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer