Montag, der 27. März 2017
SCJ Aktuell 30. August 2015 | Bischofsernennung
Kathedrale de Santa Marta da Graça in Setúbal. @privat

Ernennung durch Papst Franziskus

Ein Herz-Jesu-Priester wird Bischof!

Pater José Ornelas Carvalho SCJ ist 61 Jahre alt, wuchs in Madeira in einer großen Familie mit vier Brüdern und drei Schwestern auf, ist Herz-Jesu-Priester, hat Biblische Theologie an der Universität in Lissabon gelehrt, war zwölf Jahre lang Generaloberer der Dehonianer und wurde nun von Papst Franziskus zum Bischof von Setúbal, einer portugiesischen Diözese unweit von Lissabon, ernannt. Die Bischofsweihe empfängt er am 25. Oktober. „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ ist der Wahlspruch des designierten Bischofs. Im Interview mit scj.de stellt sich der neue Hirte der Diözese Setúbal vor.

Pater José Ornelas Carvalho SCJ, wie sind Sie Herz-Jesu-Priester geworden?

Einer meiner älteren Brüder ist schon vor mir ins Priesterseminar eingetreten. So war die Frage nach der Berufung zum Priester in meiner Familie präsent. Priester zu werden, war eine Sehnsucht, die ich schon als Kind hatte. Ich spürte den Wunsch als Missionar zu wirken, deshalb trat ich in die Kongregation des Heiligsten Herzens Jesu ein und wurde Dehonianer. Vor meiner Priesterweihe verbrachte ich einige Zeit in Mosambik. Es war eine großartige und wertvolle Erfahrung für mich und meinen Glauben. In den letzten Jahren vor der Unabhängigkeit Mosambiks hatte die Kirche dort eine prophetische Stimme und ein sehr dynamisches Profil, was mich sehr geprägt hat. Die eigentliche Entscheidung zum Priestertum traf ich im Alter von 18 oder 19 Jahren, als ich aus Mosambik zurückkehrte. Ich hatte meinem Ordensoberen zuvor gesagt: „Wenn ich zurückkehre, werde ich entweder meine ewigen Gelübde ablegen oder ich werde mich nach einem anderen Lebensweg umsehen.“ Und so war es tatsächlich. Ich habe mich für ein Leben im Orden als Priester entschieden. Allerdings ist so eine Entscheidung nichts, was für immer feststeht. Vielmehr ist es notwendig, jeden Tag aufs Neue „Ja“ zur eigenen Berufung zu sagen. Ich sage mir immer, dass ich stets die Möglichkeit habe, auch ein anderes Leben zu wählen. Und dann komme ich – Gott sei Dank – immer wieder zu dem Ergebnis, dass der Weg, den ich gehe, genau der Weg ist, für den ich mich damals entschieden habe und ich bin sehr glücklich darüber. Ich glaube, sich jeden Tag neu für seine Berufung zu entscheiden, ist das Geheimnis eines glücklichen Lebens. Wenn man sich immer wieder fragt, was im eigenen Leben zählt, was es wertvoll und kostbar macht und daran festhält, dann gelingt das Leben. Das ist in einer Partnerschaft ähnlich. Wenn man sie nicht jeden Tag erneuert, findet man sich schnell in einer Routine wieder, die für eine glückliche Ehe wenig hilfreich ist. Genauso ist es mit dem Glauben und mit dem Leben als solches. Es ist unmöglich, jeden Tag neu sein „Ja“ zu sprechen, wenn man nicht bereit ist, sich immer wieder zu hinterfragen. 
Nachdem ich mein Studium beendet hatte, wurde ich zunächst nach Rom gesandt, um mich dem Studium der biblischen Theologie zu widmen, anschließend wollte ich nach Mosambik zurückkehren. Aber dies war dann aus politischen Gründen nicht möglich und ich bekam einen Lehrauftrag an der katholischen Universität in Lissabon. 

Anschließend wurden Sie zum Generaloberen der Dehonianer gewählt?

Ja, das war ich dann zwölf Jahre lang. Ich hatte zwei Mandate – eine ziemliche Überraschung für mich. Aber mein Leben verlief häufiger in einer Art und Weise, wie ich es zunächst nicht erwartet hatte.  Ich promovierte in Lissabon, meine Promotion vorbereitet habe ich in Deutschland, an der Hochschule Sankt Georgen, bei Prof. Johannes Beutler SJ. Anschließend habe ich Biblische Theologie an der Universität in Lissabon gelehrt, was mir große Freude bereitet hat. Dann wurde ich Provinzial in Portugal. Ich habe meinen Lehrauftrag damals nicht ganz aufgegeben, aber mein Lehrdeputat wurde natürlich der neuen Aufgabe wegen reduziert. Als ich 2003 als Gesandter für das Generalkapitel in Rom war, wählte man mich zum Generaloberen und da ich keinen Grund hatte, diese Wahl abzulehnen, akzeptierte ich sie. Es war eine großartige Erfahrung. Ich durfte das Leben unserer Kongregation spüren, habe viele wertvolle Menschen kennengelernt und gleichzeitig in Rom das Leben der Weltkirche in dieser sich verändernden Welt erfahren. Für mich ein wunderbares Geschenk Gottes.

Würden Sie sagen, diese Erfahrung als Generaloberer hat Sie auf Ihre neue Aufgabe vorbereitet?

Ja natürlich. In Rom erlebt man die Tradition der Kirche und hat gleichzeitig die Möglichkeit, Menschen zu begegnen, die sehr unterschiedliche Einstellungen und Erfahrungen mitbringen. Man erhält einen Einblick in die Weltkirche. Ich konnte lernen, wie man Leitung ausübt und Verantwortung trägt. Selbstverständlich ist die Leitung eines Ordens etwas ganz anderes, als die Leitung einer Diözese. In unserem Orden ist die Struktur anders. Wir treffen viele Entscheidungen in kollegialer Weise, die Gemeinschaft ist immer einbezogen. In einer Diözese ist es so, dass wichtige Dinge an den Bischof herangetragen werden. 

Wie war der Moment für Sie, als Sie erfahren haben, dass Sie Bischof werden sollen? Haben Sie damit gerechnet?

Nein, im Gegenteil. Ich habe mich darauf vorbereitet, nach Angola in die Mission zu gehen. Es ist eine neue Mission, die dringend Unterstützung braucht. Ich habe schon davon geträumt und begonnen, meine Sachen zu packen. Dann war im Gespräch, wer Bischof in Setúbal werden könnte und ich habe versucht, diesen Gesprächen auszuweichen, denn ich wurde ja in Angola gebraucht. Dies schrieb ich auch dem Heiligen Vater. Er rief mich an, wir unterhielten uns eine Stunde lang und am Ende dieses schönen Gespräches sagte er zu mir: „Gut, ich stimme dem zu, was Sie mir gesagt haben, aber ich denke dennoch, dass es für Sie besser ist, als Bischof nach Setúbal zu gehen. Ich befehle es Ihnen nicht, aber ich bitte Sie darum.“ Und so sagte ich schließlich ja und sah darin den Willen Gottes. Ich will diese neue Aufgabe mit Freude annehmen und mein Bestes geben. So bin ich jetzt gerade in Lissabon, aber mein Herz ist bereits in meiner künftigen Diözese in Setúbal. 

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit Ihrer neuen Aufgabe?

Die Diözese Setúbal ist erst 40 Jahre alt und die ersten beiden Bischöfe waren prophetische Personen. Es gibt hier große Herausforderungen: Portugal steckt in einer Krise, die Bevölkerung in Setúbal setzt sich aus vielen Kulturen zusammen, nur etwa vier Prozent von ihnen, etwa 700'000 Christen, praktizieren ihren Glauben noch, ungefähr 70% von ihnen sind katholisch. Deshalb hat Papst Franziskus mich dorthin in die Mission gesandt. Die schwindende Anzahl praktizierender Katholiken ist eine Situation, wie sie in vielen ursprünglich christlichen Ländern Europas ganz ähnlich ist. Ich glaube es ist notwendig, genau in diesen Ländern wieder missionarisch Kirche zu sein. Gleichzeitig ist die Diözese Setúbal auch sehr interessant. Die Solidarität dort ist sehr groß. Keine andere Diözese in Portugal hat so viele soziale Einrichtungen. Das Engagement anderen Menschen zu helfen, sie zu unterstützen und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen, ist riesig. Ein Angebot, welches Christen wie Nichtchristen gleichermaßen gilt. Ich hoffe, dass ich dieses Werk in guter Weise fortführen kann, denn das Evangelium fordert uns heraus, für die Armen, Kranken und Hoffnungslosen zu sorgen.

Interview: Regina Maria Schwarz; Redaktion: Peter Hummel

Künftig der neue Oberhirte der Diözese Setúbal: Pater José Ornelas Carvalho SCJ. @ scj.de

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