Donnerstag, der 23. Februar 2017
SCJ Aktuell am 19. April 2015 | Missionsprokura
Kathedrale Aliwal North. Foto: scj.de

Den Glauben leben – mit Kopf und Herz

Pater Horst Steppkes SCJ ist Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Neustadt und seit August 2013 Missionsprokurator. In dieser Funktion hat er vom 17. März bis zum 7. April Südafrika besucht. Was er dort erlebt hat, und wie er Missionsprokurator geworden ist, erzählt er im Interview.

Pater Steppkes, wie kam es dazu, dass Sie die Missionsprokura leiten? 

Schon im Alter von 6 Jahren hat mich das Thema Mission fasziniert. Damals hatten die Herz-Jesu-Priester eine Kaplanstelle in meiner Heimatpfarrei in Krefeld. In einem Gottesdienst, den ich mit meinen Eltern besucht habe, durfte ich miterleben, wie ein Pater in die Mission gesandt wurde. Noch heute habe ich lebhaft vor Augen, wie dieser Pater das Missionskreuz entgegen nahm und den Auftrag empfing: „Geh nach Südafrika“. Im Jahr 1955/1956 haben die Herz-Jesu-Priester die Pfarrei, in der ich Messdiener und später auch Pfadfinder war, übernommen und gleichzeitig kam dann in einem Neubau nicht nur das Seelsorgehaus unter, sondern auch die Missionsprokura. Ich war mit dieser Pfarrei immer eng verbunden, habe so auch die Herz-Jesu-Priester kennengelernt und mich später entschieden, bei ihnen einzutreten. In der Missionsprokura habe ich Missionare aus Indonesien und vor allem auch aus Südafrika kommen und gehen sehen. Ich hatte also immer schon eine Verbindung zur Missionsprokura und bin so schließlich selbst dort gelandet. Als dann die Leitung neu besetzt werden musste, hat man mich gefragt, ob ich diesen Dienst übernehmen möchte und ich habe mich gerne dazu bereit erklärt. Der Kreis hat sich für mich geschlossen, auch insofern als dass ich viele Namen, von Personen und von Orten, gehört habe, die ich jetzt besuchen konnte.

Sie waren gerade für drei Wochen in Südafrika. Welche Orte haben Sie dort besucht? 

Ich war zunächst in Aliwal North. Die Diözesen Aliwal North und De Aar waren Missionsgebiete der Deutschen bzw. der Nordamerikanischen Provinz der Ordensgemeinschaft, aus beiden Missionen ist 1994 die Südafrikanische Provinz geworden, die ihr Provinzialat noch in Albwal North hat, das aber in den nächsten Monaten nach Johannesburg verlegt wird. Der Bischof der Diözese De Aar ist nach wie vor ein Herz-Jesu-Priester aus Polen, Bischof der Diözese Albwal North ist zur Zeit ein Deutscher, der aus der Diözese Hildesheim stammt. Außerdem ist ein schwarzer Herz-Jesu-Priester Bischof von Kokstad, in dieser Diözese ist aber keine Niederlassung der Ordensgemeinschaft. Ich habe alle drei Diözesen und die meisten der damit verbundenen Häuser und Mitbrüder besucht. Ausgangs- und Endpunkt der Reise war Johannesburg.

Gab es für Ihre Reise einen bestimmten Anlass? 

Nein. Der Anlass war der mitbrüderliche Besuch und das Kennenlernen des neuen Missionsprokurators. Ich habe einmal gescherzt: „Ich will einfach mal sehen, wo das Geld hinkommt“. Mir war es vor allem ein Anliegen, dass die Namen, mit denen ich in meiner Arbeit zu tun habe, ein Gesicht bekommen und ich die Orte einmal gesehen habe.

Welches Projekt hat Sie besonders fasziniert?

Ich habe eine Woche in Pietermaritzburg verbracht. Dort gibt es von der Südafrikanischen Provinz ein internationales Scholastikat, indem derzeit 18 angehende Herz-Jesu-Priester aus verschiedenen afrikanischen Ländern wohnen, die ihr Studium an einer nahegelegenen Hochschule der Oblaten OMI, Cedara, absolvieren. Unter den Dozenten dort ist auch ein Herz-Jesu-Priester polnischer Abstammung. Spannend ist, dass es verschiedene Orden gibt, die ihre Studenten an diese Hochschule schicken, gleichzeitig gibt es aber auch andere Studenten und auch Studentinnen, die dort studieren und auch Nichtkatholiken, die einfach für ein Freisemester in die katholische Theologie hineinschnuppern wollen. Was mich begeistert, ist, dass man in Pietermaritzburg die Zukunft sieht. Die Atmosphäre dort ist großartig! Ich habe mich während meines Aufenthaltes sehr wohl gefühlt. Gleichzeitig merkt man die große Freude der Studenten, dass sie dank der Unterstützung von deutschen Wohltätern ihr Studium absolvieren können. Das zeigt sich auch darin, dass sie jeden Morgen beim Morgengebet für die Freunde und Wohltäter der Missionsprokura beten.

Die Internationale Kommunität der Herz-Jesu-Priester in Pietermaritzburg. Foto: scj.de

 

Sie waren über Ostern in Südafrika. Wie haben Sie dieses Hochfest dort gefeiert? 

Für mich war es sehr wichtig, einmal die Kar- und Ostertage in Südafrika zu erleben, deshalb hat es mich auch sehr gefreut, dass ich die Möglichkeit dazu hatte. Ich war mit dem Bischof von Kokstad am Palmsonntag in einer Gemeinde etwas außerhalb. Der Gottesdienst hat gute drei Stunden gedauert, aber ich hatte während dessen nie das Gefühl, so langsam mal einen Blick auf die Uhr werfen zu müssen. Die Menschen in Südafrika leben ihren Glauben nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Die Liturgie ist prinzipiell gleich, aber sie feiern anders. Zum Beispiel der Weg der Palmprozession. Wenn wir diesen Weg in Deutschland gegangen wären, wären wir innerhalb von zehn Minuten fertig gewesen. Diese Prozession um die Kirche herum hat 45 Minuten gedauert. Die Menschen haben gesungen, sind ganz langsam, mit Inbrunst und Genuss gegangen, und haben ihre riesigen Palmen geschwenkt. Zwischen durch signalisieren die Gläubigen auch mal ihre Zustimmung, indem sie laut „Amen!“ rufen oder während des Gesangs die Hände erheben. Der Glaube dort ist einfach lebendig. 

 

"Wir haben gesungen, getanzt und gebetet"


Mein Highlight war natürlich die Osternacht, die ich in Soweto mitfeiern durfte. Die Liturgie der Osternacht hat fünf Stunden gedauert, von 20 Uhr bis 1 Uhr. Ich habe dem Pfarrer gesagt: „Wenn ich das bei mir zuhause machen würde, wäre ich wahrscheinlich ab 22 Uhr alleine“. Aber es war überhaupt nicht langweilig. Wir haben gesungen, getanzt, gebetet – es war einfach stimmig und die Leute gehen dort voll mit. Es waren auch Kinder dabei. Die haben dann zwischen durch auch mal bei ihren Eltern auf dem Arm geschlafen. Am nächsten Morgen war um 9 Uhr der Ostergottesdienst, der noch voller als die Osternacht war, und auch zweieinhalb Stunden gedauert hat. Insgesamt war die Zeit in Südafrika für mich sehr beeindruckend. Die große Freundlichkeit der Menschen, die ich dort erfahren durfte und ihr lebendiger Glaube.

Interview: Regina Maria Schwarz; Redaktion: Peter Hummel

Ein Mann, zu dem man aufschauen muss. Foto: scj.de

Gottesdienste

Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer