Montag, der 27. März 2017
SCJ Aktuell | Wir auf dem Katholikentag
Foto: scj

Runter von der Couch, raus auf die Straße

Wie können wir in der heutigen säkularen Welt unseren Glauben zur Sprache bringen? Unter dieser Fragestellung hat das Bonifatiuswerk in Kooperation mit KAMP eine Podiumsdiskussion mit prominenter Besetzung auf dem Katholikentag in der Universität in Regensburg veranstaltet. Unter dem Titel „Zeig draußen, was du drinnen glaubst - Optionen für eine missionarische Kirche heute“ diskutierten die Teilnehmer über die Bedeutung missionarischer Pastoral und die Voraussetzungen für missionarisches Handeln in der heutigen Zeit. Mit dabei war auch der Provinzial der deutschen Provinz der Herz-Jesu-Priester, Pater Dr. Heiner Wilmer.

Eine wichtige Voraussetzung für die Mission sei das vorhandene Gottesbild, doch gerade dort liege die Schwierigkeit, ist sich Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ sicher: „Unser Gottesbild ist unattraktiv geworden, wir haben Gott weichgespült und unsere christliche Religion ist ein bisschen verkommen. Über Gott wissen wir zuviel, dafür wissen wir über Jesus zu wenig. Er war ein leidenschaftlicher Mensch, der gelacht und geweint hat, der aber auch mal sauer war. Das müssen wir uns vor Augen führen. Wir müssen auf die Menschen zugehen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Religion muss helfen. Wenn sie nicht mehr hilft, kann man sie vergessen,“ sagte der Provinzial der Herz-Jesu-Priester.

Neben ihm nahmen auch Diakon Kaare Nielssen aus Kopenhagen, die Künstlerin Prof. Dr. Sylvia Vandermeer und Evamaria Biel-Hölzlin vom Referat missionarische Pastoral in Freiburg am Podium teil. Von den Veranstaltern hielten der Leiter der katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral in Erfurt, Dr. Hubertus Schönemann, sowie der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, kurze Impulsvorträge. Monsignore Austen erklärte, dass die Glaubensdiaspora die katholische Kirche und die Gläubigen vor ganz neue Herausforderungen stelle. „Wohnzimmerchristen bringen uns nicht weiter. Wir brauchen Menschen die auf die Straße gehen und den Glauben weitergeben. Wir müssen wieder aussagefähig über unseren Glauben werden.“

Einen Ansatz, um diese Herausforderung zu meistern, lieferte Diakon Kaare Nielssen, der in Dänemark mit seiner mobilen Kirche unterwegs ist, um den Menschen das Evangelium näher zu bringen. „Geht raus, verkündet und gebt Zeugnis von der frohen Botschaft. Jeder möchte gesehen, gehört und geliebt werden“, sagte Nielssen. Jeder solle sich fragen, was Gott in seinem Leben getan habe und dann genau das verkünden, denn nur so könne man die Menschen erreichen.

 

V. li. n. re.: Diakon Kaare Nielssen, Dr. Michael Hertl, Prof. Dr. Sylvia Vandermeer, Dr. Hubertus Schönemann, Evamaria Biel-Hölzlin, Pater Dr. Heiner Wilmer und Monsignore Georg Austen. Foto: Bonifatiuswerk

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde beschrieben unterschiedliche Beispiele, wie eine solche Verkündigung gelingen könne. „Indem wir unseren Glauben leben und auf andere zugehen, können wir Mut machen und mit anderen Menschen unseren wertvollen Glauben teilen“, ist Sylvia Vandermeer überzeugt. Evamaria Biel-Hölzlien berichtete von der großen Chance der Kirche im Bereich der Erwachsenentaufe. „Menschen, die auf dem Weg zur Taufe sind, haben den Gemeinden vor Ort etwas zu sagen. Und wir brauchen Menschen, die sie auf ihrem Weg begleiten.“

Gelingen kann eine solche Verkündigung auch durch neue Formen der Ansprache. Pater Wilmer erzählte das Beispiel des Berliner Herz-Jesu-Klosters: Dort würden neue Wege beschritten, in dem zum Beispiel Gottesdienste für Kinder mit ihren Haustieren, für Skeptiker und Zweifler der Kirche als auch für Singles am Valentinstag angeboten würden.

 

Patrick Kleibold/Sabrina Becker

 

 

 

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