Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ Aktuell am 4. Januar 2015 | Jahresrückblick
Im Mai wurde Volker Kreutzmann zum Priester geweiht.

„Das ist ein großes Geschenk“

Katholikentag, eine Priesterweihe, der Umzug des Provinzialates und ein neuer Novize: 2014 war ein bewegtes Jahr in der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester. Im Interview verrät Provinzial Pater Heiner Wilmer SCJ, was seine Höhepunkte waren, und redet über künftige Herausforderungen der Kirche und der Herz-Jesu-Priester.

Pater Wilmer, im Mai 2014 wurde Volker Kreutzmann zum Priester geweiht, seit langem die erste Priesterweihe in der deutschen Ordensprovinz. Und seit wenigen Monaten gibt es einen neuen Novizen, nachdem viele Jahre der Nachwuchs ausgeblieben ist. Ein Grund zur Hoffnung?

Ja, auf jeden Fall – auch wenn es keine Massen sind, die Herz-Jesu-Priester werden möchten. Die Priesterweihe von Volker ist ein großes Geschenk. Ebenso unser neuer Novize Martii Savijoki. Das sind für mich die beiden stärksten Ereignisse des Jahres. Es ist schön zu sehen, dass sich junge Männer zu diesem Weg entschließen. Hinzu kommt, dass wir mit unserem neuen Novizen die Beziehung zur finnischen Ordensprovinz beleben. Bischof Teemu Sippo SCJ aus Helsinki hat in den 1970er Jahren hier studiert. Und jetzt folgt Martti, auch ein junger Finne. Weil die Herz-Jesu-Priester in Finnland kein Ausbildungshaus besitzen, konnte er es sich aussuchen: Er hätte zum Beispiel nach Polen oder Italien gehen können. Aber er ist zu uns gekommen, und das freut uns sehr.

Ebenfalls im Mai fand der Katholikentag in Regensburg statt. Die Herz-Jesu-Priester waren dort auf der Kirchenmeile vertreten. Was ist Ihnen von diesen Tagen in Erinnerung geblieben?

Matsch und Pfützen. Klingt komisch, war aber so: Es regnete in Strömen, als ich ankam. Das Wetter ist die eine Seite. Die andere war die Stimmung. Insgesamt sehr warmherzig, sehr lebendig. Auch gerade bei uns am Stand, den Frater Maximiliano Dêlfino Candido verantwortet hat - gemeinsam mit vielen anderen jungen Mitbrüder aus unserem internationalen Ausbildungshaus in Freiburg. Für mich persönlich war neu, dass ich bei zwei Veranstaltungen mitwirken durfte, unter anderem auf einem Podium des Bonifatiuswerkes zur Frage: „Wie können wir heute über den Glauben sprechen?“ Das Thema fand ich stark und richtungsweisend. Darin steckt nämlich auch der Gedanke: So, wie wir früher über den Glauben gesprochen haben, geht es nicht mehr. Wir brauchen neue Wege, eine neue Sprache, eine neue Ernsthaftigkeit. Gitarre spielen, geistliche Lieder singen, ein nettes Bibelstück meditieren – ohne diese Dinge abwerten zu wollen - das reicht heute nicht mehr. Die Leute wollen eine andere Substanz, eine andere Auseinandersetzung mit dem Glauben.

Umzug im Juni: Das Provinzialat ist jetzt in Neustadt zu Hause.

In diesem Jahr ist das Provinzialat nach Neustadt umgezogen. Die Herz-Jesu-Priester haben ihren Bonner Standort nach 75 Jahren aufgegeben. Jetzt ein paar Monate am neuen Ort – eine gute Entscheidung?

Doch, die Zeit war reif für diesen Schritt. Und alle Mitbrüder der deutschen Ordensprovinz waren einstimmig dafür. Wobei ich sagen muss, ganz ohne Wehmut bin ich nicht weggezogen. Ich habe mich in Bonn sehr wohl gefühlt. Tolle Mitarbeiterinnen, tolle Stadt und natürlich der Rhein! Andererseits sind wir im Herz-Jesu-Kloster Neustadt sehr gut aufgenommen worden, haben neue engagierte Mitarbeiter gefunden. Die Räume oberhalb der Kirche, in denen sich das Provinzialat nun befindet, sind sehr ansprechend. Der Rhein fließt zwar nicht mehr direkt vor der Tür, dafür wächst Wein auf den Hügeln um uns herum. Die Pfalz und der Pfälzer Wald haben ihren ganz eigenen Charme. 

Die Villa in Bonn wurde verkauft, um Verwaltungsvorgänge in Neustadt zu bündeln - aber auch, um der Entwicklung der Provinz gerecht zu werden. Der Orden in Deutschland  wird älter, der Nachwuchs bleibt aus. Werden Sie bald über weitere Schließungen von Häusern nachdenken müssen?

Momentan steht keine weitere Schließung an. Natürlich wollen wir unsere Werke zukunftsfähig halten. Die Frage ist doch, wie wir das angesichts des anhaltenden Nachwuchsmangels, schaffen können. Zum Beispiel unser Kloster in Maria Martental. Früher war es einmal Noviziat mit einem Bauernhof. 20 bis 25 Mitbrüder lebten dort. Jetzt überlegen wir uns, wie wir diesen Wallfahrtsort irgendwann einmal mit nur drei Mitbrüdern gestalten können. Für Martental haben wir eine gute Lösung gefunden: Wir haben einen Teil der Räumlichkeiten an die St. Hildegardishaus Stiftung abgegeben, die dort mit geistig und körperlich behinderten Menschen zusammen arbeitet. Ähnliche Konzepte gibt es bereits an anderen Standorten. Ziel kann es jedenfalls nicht sein, um jeden Preis Häuser zu halten, so dass die Mitbrüder dort an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Wie soll das aussehen? Mit raushängender Zunge von Termin zu Termin hasten, nur weil wir unsere Werke retten wollen. Das Ordensleben steht immer noch im Mittelpunkt. Wir wollen leuchten und ein Zeichen sein, nicht gehetzt und deprimiert.

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