Montag, der 27. März 2017
SCJ Aktuell am 31. August 2014 | Pater Andreas Pohl SCJ über Berufung
Pater Andreas Pohl SCJ, Herz-Jesu-Kloster in Maria Martental. Foto: scj.de

Manchmal ist es Liebe auf den ersten Blick 

Wozu ruft mich Gott? Und wie kann ich wissen, dass er mich ruft? Pater Andreas Pohl SCJ aus dem Herz-Jesu-Kloster in Maria Martental erklärt im Interview, woran man eine Berufung erkennen kann und welche Signale es gibt, die auf eine Berufung hindeuten können. 

Was ist eigentlich Berufung? 

Die Antwort liegt bereits in der Frage. Berufung ist ein Ruf, der an einen ergeht und auf den man antwortet. Die Initiative geht immer vom anderen aus, von Gott. Er ruft Menschen zum Priestertum und Ordensleben. Genauso aber sind Eltern berufen, entweder Mutter oder Vater zu sein. Immer vor dem Hintergrund, dass ihnen diese Aufgabe von jemandem anvertraut wurde und sie auf diesen Ruf antworten..

Und wie merkt man, dass man berufen ist?

Ich glaube, das ist gar nicht so kompliziert. Wichtig ist, dass man auf seine Gefühle hört, denn die Gefühle sagen die Wahrheit. Wenn man über eine längere Zeit eine Sympathie für eine bestimmte Richtung oder eine bestimmte Haltung spürt und diese Sympathie sich durchsetzt, egal wie es einem geht – ob nun gut oder schlecht – wenn am Ende immer noch die gleiche Sympathie für eine bestimmte Richtung da ist, dann ist das ein Anzeichen dafür, dass sich dahinter eine Berufung verbirgt. Während man beginnt, diesem Ruf zu folgen, prüft man die Berufung und das Leben selbst zeigt, was echte Berufung ist und was eine kurze und vorübergehende Begeisterung. In der Ehe ist das ähnlich: Mann und Frau lernen sich kennen und es ist ihnen unmöglich, wissenschaftlich zu erklären, warum sie ausgerechnet diesen Mann oder diese Frau heiraten wollen, aber sie spüren eine Sympathie füreinander, die sich in Liebe wandelt. Diese Liebe wiederum schenkt ihnen Kraft und Freude, sich dafür einzusetzen, dass die gegenseitige Liebe wächst. Dasselbe gilt bei einer Berufung zum geistlichen Leben. Wissenschaftlich kann ich meinen Weg nicht erklären, nicht begründen und auch niemanden davon überzeugen – für mich ist er aber stimmig, basta! Dazu stehe ich. 

Was kann ein junger Mensch tun, der sich sehr unsicher ist, wozu Gott ihn ruft?

Er muss diese Unsicherheit ansehen und sich fragen, aus welcher Ecke sie kommt. Wenn dieser junge Mensch beispielsweise eine Freundin hat, vielleicht schon zwei Jahre mit ihr unterwegs ist und die junge Dame ihn fragt: „Du, wollen wir nicht heiraten?“, kann er auch nicht fünf Jahre lang antworten: „Du, ich bin noch unsicher“. Irgendwann muss er eine Entscheidung treffen, die konkret wird. Ein junger Mensch, der eine Sympathie für das Ordensleben oder das Priestertum spürt, muss bei Unsicherheiten ebenfalls herausfinden, woher diese kommen. Gelingt das, eröffnet sich eine Perspektive und man spürt Freude, Dankbarkeit und Freiheit. Das sind ebenfalls Signale, die auf die Echtheit einer Berufung hinweisen. 

Wie prüfen junge Menschen, die überlegen, Herz-Jesu-Priester zu werden, ihre Berufung?

Es gibt da kein spezifisches Kriterium, weil jeder seinen ganz eigenen Weg mit Gott geht. Man tritt ein, aber man wird nicht von heute auf morgen schon ein Ordensmann. Es gibt dazu eine Vorbereitungszeit. Man muss sich selbst kennenlernen, seine Gefühlswelt, die eigene Emotionalität und vieles, vieles mehr, um zu erkennen, auf welchem Fundament der Wunsch, in den Orden einzutreten, steht. Gleichzeitig spürt man aber auch eine tiefe Freude. Daraus entwickelt man den Mut, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das zu tun, was die eigene Lebenssehnsucht ist. Es gibt kein Patentrezept. Jeder muss für sich herausfinden, wozu Gott ihn ruft.

Berufung wächst also langsam?

Das kann man nicht so allgemein sagen. Es gibt ja auch so etwas, wie „Liebe auf den ersten Blick“. Manche Menschen könnten darüber Bücher schreiben, was das bedeutet, andere heiraten nach zwei, drei Jahren erst, weil sie ihre Liebe füreinander langsam entdecken. Irgendwann stellen sie fest: da ist mehr als nur Freundschaft. Und wenn sie ihre Gefühle dann geprüft haben, indem sie gemeinsam durch „dick und dünn“ gegangen sind, merken sie: für uns ist der Weg in eine gemeinsame Ehe frei. Aber es gibt eben auch „Liebe auf den ersten Blick“, die manchmal bis zum Lebensende fortdauert. Genau das findet man auch im Hinblick auf eine Berufung zum Ordensleben oder zum Priestertum. Es gibt sehr spontane Entscheidungen, die die Menschen aufgrund eines bestimmten Ereignisses getroffen haben, und die im Herzen spüren: Das ist die „Liebe auf den ersten Blick“: Gott hat mir jetzt, in dieser Minute, in dieser Stunde, eine Perspektive eröffnet, und ich gehe dem nach, weil ich mich dafür mein Leben lang begeistern will. Pauschal etwas über Berufung zu sagen, ist unmöglich, da jede Berufung unwiederholbar einzigartig ist.

Interview: Regina Maria Schwarz; Redaktion: Peter Hummel 

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