Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ aktuell am 28. März 2014 | Interview mit Pater Gerd Hemken SCJ über die Anbetung
Die eucharistische Anbetung ist ein wesentliches Element in der Spiritualität der Herz-Jesu-Priester (Foto: Nightfever)
Die eucharistische Anbetung ist ein wesentliches Element in der Spiritualität der Herz-Jesu-Priester (Foto: Nightfever)

"In der Anbetung finde ich Orientierung"

Papst Franziskus hat in dieser Fastenzeit zu einer ganz besonderen Initiative aufgerufen: „24 Stunden für Gott“. Während dieser 24 Stunden soll in möglichst jedem Bistum eine Kirche durchgehend offen sein für die eucharistische Anbetung und den Empfang des Sakramentes der Versöhnung. Ein Interview mit Provinzökonom Pater Gerd Hemken SCJ. Mehr

Warum nutzt Papst Franziskus die Fastenzeit, um das Sakrament der Versöhnung und die Anbetung in den Mittelpunkt zu stellen?

Papst Franziskus hat die Fastenzeit gewählt, weil sie die Zeit der Umkehr und der Buße ist, die Zeit, in der der Mensch ein neues Verhältnis zum Nächsten, zu Gott und zu sich selber erhalten soll. Genau das geschieht in der Anbetung und im Sakrament der Versöhnung. In den vergangenen Wochen und Monaten hat Papst Franziskus immer wieder bei seinen Pastoralbesuchen in römischen Pfarreien nicht nur den Gottesdienst gehalten, sondern hat sich auch jedes Mal Zeit für die Kommunionkinder und für die Beichte genommen. Er ist in den Pfarreien auch selbst in den Beichtstuhl gegangen. Auf diese Weise machte er immer wieder deutlich, wie wichtig das Bußsakrament ist. Auch in seinen Ansprachen hat er wiederholt auf die Bedeutung des Bußsakramentes hingewiesen. Dort, wo der Mensch sein Gewissen erforscht, dort, wo er seine Schuld bekennt und losgesprochen wird, dort erneuert er sich komplett. Das soll in der Bußzeit geschehen. In der Anbetung erfolgt die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Der Mensch erkennt, woher er kommt und wohin er geht. Das gehört, glaube ich, zur Erneuerung des Menschen in der österlichen Bußzeit dazu.

Welche Rolle spielt die eucharistische Anbetung in der Spiritualität der Herz-Jesu-Priester?

Sie spielt eine ganz wichtige Rolle. Die Herz-Jesu-Verehrung besteht, wie zwei Seiten einer Medaille, aus der Liebe zum Nächsten und der Liebe zu Gott. Dass man Gott wirklich liebt, dass man mit ihm in engster Weise verbunden sein will, wird besonders deutlich in der Anbetung. Dort sind wir bei Gott selbst und so ist die Anbetung eine der tiefsten menschlichen Formen der Verbindung mit Gott. In unserem konkreten Ordensleben ist das so, dass wir jeden Tag in all unseren Konventen weltweit eine halbe Stunde stille Anbetung haben und jeweils am Tag vor dem Herz-Jesu-Freitag eine Stunde – die sogenannte „Heilige Stunde“. Außerdem sagt Pater Dehon, der Gründer der Herz-Jesu-Priester: „Wenn du an einer Kirche oder Kapelle vorbeikommst, dann kehre kurz ein, sag dem lieben Gott ‚Guten Tag‘, bete ihn kurz an und zeige ihm durch die kurze Anbetung, dass du ihn liebst.“

Immer mehr neue geistliche Gemeinschaften und Initiativen, zum Beispiel Nightfever, entdecken die eucharistische Anbetung für sich. Woran könnte es liegen, dass die Anbetung für junge Christen ein zentrales Anliegen ist?

Die Menschen, die sich heute in die Nachfolge Jesu aufmachen, wollen auch ganz konkret bei Jesus sein, bei dem, dem sie folgen. Ich glaube, junge Leute entdecken immer mehr, dass die tiefste Form der Begegnung mit Jesus in der Anbetung erfolgt. Denn dort bin ich leibhaftig bei ihm, dort kann ich ganz konkret mit ihm sprechen. Das ist meines Erachtens der Grund, warum die Anbetung in den neuen geistlichen Gemeinschaften so zentral ist, wie auch bei denen, die in die Nachfolge Jesu eintreten. Sie entdecken, dass in der Anbetung das Wesentliche der Gottesbegegnung stattfindet.

Welche persönliche Erfahrung haben Sie mit der Anbetung gemacht?

Ich selber liebe die Anbetung sehr, weil es in der Anbetung darum geht, still zu werden und bei Gott zu sein, dem ich als Ordenspriester nachfolgen will. Deshalb ist mir die tägliche Anbetung so wichtig. Gerade in der Hektik des Alltags ruhig zu werden und mich ganz bewusst bei dem zu verankern, dem ich nachfolgen will, ist mir unglaublich wertvoll. In der Anbetung finde ich auch immer wieder die Orientierung für mein konkretes Handeln im Alltag.

Welchen Rat können Sie denen geben, die sich mit der eucharistischen Anbetung schwer tun, die vielleicht nicht so recht wissen, wie sie in Anbetung beten können?

Erstmal ist es wichtig, dass man sich selber in der Anbetung nicht übernimmt, dass man nicht gleich eine ganze Stunde Anbetung macht, sondern vielleicht mit zwanzig Minuten anfängt. Mir ist es eine große Hilfe, mir bewusst zu machen: „Jetzt kann ich ganz konkret mit Gott sprechen, er ist hier gegenwärtig.“ Dann kann man Jesus sein eigenes Leben hinhalten und ihm, der in der Hostie anwesend ist, erzählen, was einen bewegt, worüber man sich freut und was einem Sorgen bereitet. Man teilt so einfach sein Leben mit Jesus. Vor Jesus in der Anbetung braucht man keine großen Leistungen vollbringen, Jesus freut sich, wenn wir einfach da sind. Viele glauben, sie müssten dies oder jenes beten, aber das ist alles nicht so entscheidend. Es genügt, bei Jesus zu sein.

Interview: Regina Maria Schwarz, Redaktion: Peter Hummel


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