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SCJ Aktuell am 26. April 2014 | Die doppelte Heiligsprechung

„Ein Heiliger ist jemand, der schon zu Lebzeiten bei Gott zuhause ist“

Mit seinem Bild im Hintergrund wurde Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 2011 seliggesprochen (Foto: Daniel Biskup)
Mit diesem Bild im Hintergrund wurde Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 2011 seliggesprochen (Foto: Daniel Biskup)

Am 27. April werden die beiden Päpste Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II. in Rom heilig gesprochen. Der polnische Pontifex wird gar in Rekordzeit zur Ehre der Altäre erhoben: nur neun Jahre nach seinem Tod und zwei Jahre nach seiner Seligsprechung. Ein Gespräch mit Pater Mario Kaufmann SCJ aus dem Herz-Jesu-Kloster Maria Martental

 

Wie läuft ein Heiligsprechungsprozess ab?

Voraussetzung für einen Heiligsprechungsprozess in der katholischen Kirche ist zunächst einmal, dass es eine Verehrung gibt, dass zum Beispiel nach dem Tod desjenigen Leute zu seinem Grab pilgern, dass er den Menschen besonders in Erinnerung ist und vielen Leuten als besonderes Vorbild gilt. Dann kommt es zunächst zur Einleitung eines Seligsprechungsprozesses. Dort wird das Leben geprüft, die Werke, die er vielleicht geschrieben hat, es werden Zeitzeugen befragt und dann können die Schritte zur Seligsprechung erfolgen. Ein Voraussetzung, die in der Kirche für eine Seligsprechung notwendig ist, ist ein Wunder, es sei denn, es handelt sich um einen Märtyrer. Das bedeutet, dass zum Beispiel eine medizinisch nicht zu erklärende Heilung anerkannt werden muss, die auf Fürbitte dieses Heiligen gewirkt wurde. Nach der Seligsprechung kann dann die Heiligsprechung eingeleitet werden. Es ist ein Prozess, der sehr lange dauert, an dem viele Personen beteiligt sind und im Vatikan verschiedene Prüfungskommissionen druchläuft.

Was bedeutet Heiligkeit für Sie?

Heiligkeit! Das Wort erinnert mich immer an eine Aussage des Apostel Paulus, der ja hin und wieder an seine Gemeinden schreibt und sie anspricht mit „meine lieben Heiligen“. Im Grunde ist nämlich jeder Christ berufen, heilig zu werden. Heiligkeit bedeutet für mich nicht, als ein moralisches Vorbild auf irgendeiner Säule zu stehen und für alle nur als Idol angesehen zu werden, sondern im Leben das zu verwirklichen, was Jesus Christus gelebt und gepredigt hat. Dass das Licht Gottes auf andere Menschen ausstrahlt, dass sie sehen: Ein Christ lebt anders und von einem Christ geht eine Ausstrahlung aus. Ein Heiliger ist im Grunde jemand, der wirklich schon zu Lebzeiten bei Gott zuhause ist. Ihnen konnte man das anmerken. Wenn wir auf unsere beliebten Heiligen schauen, dann kann man feststellen, dass das zunächst einmal ganz normale Menschen waren, auf der Suche nach Gott, mitunter gar große Sünder. Aber es gab irgendwo in ihrem Leben einen Punkt, an dem sie offen wurden für Gott. Viele der Heiligen haben einen echten Lebenswandel erlebt.

Porträt von Papst Johannes XXIII., der Papst des II. Vatikanums und der Öffnung der Kirche (Foto: Wikimedia Commons)
Papst Johannes XXIII., der Papst des II. Vatikanums und der Öffnung der Kirche (Foto: Wikimedia Commons)

Papst Johannes XXIII. ist als Papst des Konzils in die Geschichte eingegangen. Was ist für Sie das Besondere an diesem Papst?

Was viele an ihm sehr bewundern, ist, dass er eine ganz einfache Art hatte. Er war sich immer bewusst, dass er aus einfachen Verhältnissen stammte. Er hat seinen Dienst als Bischof und später als Papst wirklich aus einer tiefen Christus-Verbundenheit heraus gelebt und er war ein sehr väterlicher und sehr volksnaher Papst. Mit der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils hat er sich zudem als sehr mutiger Hirte erwiesen. Im Gegensatz zu anderen, die sehr viel ängstlicher waren, die wichtigen Fragen jener Zeit anzugehen, hat er es gewagt und seine Stimme in der Weltpolitik für den Frieden sehr deutlich erhoben. Das sind für mich sehr liebenswürdige und auch ganz große Züge dieses Papstes.

Wie hat Papst Johannes Paul II. die Kirche geprägt?

Vor allem hat durch seine persönliche Art und durch sein Auftreten. Er war ein sehr wacher Mensch und politisch sehr interessiert. Das Pontifikat Johannes Paul II. war ein außergewöhnlich langes und er hat das Zweite Vatikanische Konzil gewissermaßen fortgeführt. Vieles wurde in dieser Zeit in der Kirche neu gestaltet. Die zahlreichen Pastoralreisen dieses Papstes machten deutlich, dass die Kirche eine Weltkirche ist, nicht eine deutsche, italienische oder polnische, sondern eine, die den ganzen Erdkreis umfasst. Das bedeutet auch, dass da ganz viele unterschiedliche Kulturen und Strömungen und Glaubenserfahrungen zusammen kommen. Kirche beinhaltet eine große Weite. Das ist das, was das Wort „katholisch“ übersetzt auch meint: allumfassend.

Welche Erinnerung haben Sie an Papst Johannes Paul II.?

Als Papst durfte ich ihn aus der Ferne bei diversen Gottesdiensten und Feiern im Petersdom oder auf dem Petersplatz erleben. Zuletzt, in der Phase seines Alters, habe ich miterlebt, wie er den ersten Herz-Jesu-Priester selig gesprochen hat, den Seligen Johannes Maria vom Kreuz. Er war da schon sehr krank, aber geistig noch hellwach und er hat eine großartige Ansprache gehalten über das Leben und das Beispiel der spanischen Märtyrer aus der Zeit des Bürgerkrieges.

 

Interview: Regina Maria Schwarz, Redaktion: Peter Hummel

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