Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ Aktuell am 2. November 2014 | Allerheiligen und Allerseelen
Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ: "Ich spreche sehr gern über Heilige." Foto: scj.de

"Allerheiligen soll uns ermutigen, selbst heilig zu werden"  

Im Laufe des Kirchenjahres gedenkt die Kirche fast jeden Tag eines anderen Heiligen. Am 1. November werden am Hochfest Allerheilgen noch einmal alle Heiligen zusammen gefeiert. Was aber ist Heiligkeit? Warum begeht die Kirche dieses Fest? Und welche Bedeutung hat der Allerseelentag? Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ aus dem Herz-Jesu-Kloster in Freiburg gibt im aktuellen Interview Antworten auf die Fragen. 

Pater Levi dos Anjos Ferreira, was feiert die Kirche an Allerheiligen?

Allerheiligen ist ein Tag, an dem wir die Berufung zur Heiligkeit feiern. Jeder von uns, jeder Getaufte, ist zur Heiligkeit berufen. Paulus schreibt dies auch zu Beginn des Römerbriefes. Deshalb feiert die Kirche diesen Tag, damit wir diese großartige Berufung im Blick haben. Das, was uns heilig macht, ist unsere Beziehung zu Gott. Das Tagesevangelium an Allerheiligen ist die Bergpredigt. Sie ist ein Leitfaden für unser Leben. Wer sein Leben nach den Seligpreisungen ausrichtet, der ist auf dem Weg der Heiligkeit. Das bedeuted nicht, dass wir alle arm, verfolgt oder traurig sein müssen, um heilig zu werden – darum geht es nicht. Es geht darum, sein Leben nach der Bergpredigt auszurichten. Allerheiligen ist ein Tag, an dem wir auf die schauen, die das in ihrem Leben verwirklicht und im Geiste des Evangeliums gelebt haben. An diesem Tag feiern wir die Fülle und die Vielfalt christlichen Lebens. Kein Heiliger gleicht dem anderen, jeder hat seinen ganz eigenen Weg gefunden, das Evangelium zu leben. Zum Beispiel Paulus. Paulus hat ganz anders gelebt als Stephanus, der als erster Christ für seinen Glauben starb oder Maximilan Kolbe, der in der Zeit des Nationalsozialismus ums Leben kam. Mutter Theresa hatte wiederum einen völlig anderen Lebensweg, Johannes Paul II. ebenfalls. Was sie verbindet, war ihr heiliges Leben. Ihr Leben nach der Bergpredigt. Natürlich haben auch Heilige ihre Fehler – sie waren Menschen aus Fleisch und Blut, genau wie wir, aber sie zeigen mit ihrem Leben, dass es möglich ist, die Heiligkeit schon auf der Erde zu erreichen. Allerheiligen soll uns ermutigen, selbst auch heilig zu werden.

 

In der Kirche werden die Heiligen verehrt. Ist das heute noch zeitgemäß?

Ich bin überzeugt davon, dass es zeitgemäß ist. Ich spreche sehr gerne über Heilige und in der katholischen Kirche gibt es an vielen Tagen des Kirchenjahres einen Heiligen, dem besonders gedacht wird. Vor wenigen Tagen haben wir die Heiligen Simon und Judas gefeiert. Das Gedenken und die Verehrung der Heiligen weißt uns darauf hin, dass es möglich ist, anders zu leben und Gott in das Zentrum des eigenen Lebens zu stellen. Sie sind uns Zeichen der Hoffnung. Deshalb dürfen wir sie nicht vergessen. Sie lehren uns, dass es möglich ist, zu Gott zu gelangen, trotz all unserer menschlichen Schwachheit. Natürlich haben einige Heilige aus unserer heutigen Sicht „komisch“ gelebt, aber man muss die jeweilige Zeit berücksichtigen, aus welcher sie stammen. Wenn wir heute von Heiligen hören, die sich selbst körperlich gezüchtigt haben, um noch heiliger zu werden, dann mag uns das befremdlich vorkommen, aber es war die Mentalität damaliger Zeit. Heute ist das selbstverständlich nicht notwendig. Die Heiligen sollen uns einfach ein Vorbild sein, unser Leben anders zu meistern und zwar in der Nachfolge Christi. Sie sind wie Lichter für unseren eigenen Lebensweg.

 

Gibt es einen Heiligen, der Ihnen besonders wichtig ist?

Es gibt viele, aber besonders gerne mag ich den Heiligen Paulus. Ich habe zwei Jahre lang in Rom gelebt und mich dort intensiv mit ihm beschäftigt. Aber auch schon in der Zeit, als ich ins Priesterseminar eingetreten bin, war mir dieser Heilige nahe, weil er ein ganz normaler Mensch war. Normal in dem Sinn, dass er ein guter Jude war – kein Atheist, er war gläubiger Jude, er glaubte an Gott. Dennoch, oder gerade deswegen war er der Überzeugung, dass die Christen eine Gefahr für die damalige Zeit waren. Als er Christus begegnen durfte, kam es zu einer großen Veränderung in seinem Leben, durch die aus dem Christenverfolger der Völkerapostel schlechthin wurde. Gott hat sein Leben grundlegend verändert. Paulus wurde zu einem Menschen, der voller Eifer und Leidenschaft für das Evangelium eingetreten ist. Diese Leidenschaft für Christus fasziniert mich und ich denke, jeder Priester sollte so voller Eifer und Leidenschaft für Christus sein, wie Paulus es war.

 

Was hat es mit dem Fest Allerseelen auf sich?

An Allerseelen gedenken wir aller Verstorbenen. Der Blickwinkel ist ein anderer. An Allerheilgen denken wir an die, die in besonderer Weise nach dem Evangelium gelebt haben. An Allerseelen machen wir uns bewusst, dass wir auf dem Weg zu Gott sind und die Verstorbenen, die schon bei ihm sind, auf uns warten. Wir sollen an diesem Tag daran denken, dass auch unser Leben einmal endet, darauf sollten wir vorbereitet sein. Das soll uns keine Angst machen, aber nachdenklich stimmen. An Allerseelen sind wir aufgerufen, für unsere Verstorbenen zu beten.

 

Wie gestalten Sie diese zwei Tage im Kloster?

Wir feiern an Allerheiligen um 9 Uhr den Gottesdienst und gehen am Nachmittag gemeinsam auf den Friedhof, auf dem unsere verstorbenen Mitbrüder begraben sind. Dort werden wir zunächst eine Andacht in der Kapelle mit Liedern und Meditationen über Tod, Leben und Auferstehung halten, anschließend gehen wir zu den Gräbern. Dort machen wir einen riesigen Kreis und einer von uns Priestern geht mit Weihwasser über den Friedhof und segnet jedes Grab. Zum Schluss beten wir gemeinsam das „Vater unser“ und singen das „Salve Regina“.

Interview: Regina Maria Schwarz, Redaktion: Peter Hummel

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