Montag, der 27. März 2017
SCJ Aktuell am 10. August 2014 | Der neue Rektor im Herz-Jesu-Kloster Handrup
Pater Marcio Auth SCJ (Mitte) im Gespräch mit Mitbrüdern. Foto: scj.de

Ein „deutscher“ Brasilianer 

Pater Marcio Auth SCJ ist seit August 2014 neuer Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Handrup. Vorher lebte er zwei Jahre in Berlin, wo er hauptsächlich in der portugiesisch-sprachigen Gemeinde Berlins tätig war. Was sich nun für den gebürtigen Brasilianer im Emsland ändern wird, darüber spricht er im Interview.

Pater Auth, Sie haben schon einmal für zwei Jahre in Handrup gelebt. Wie haben Sie die Handruper wieder aufgenommen? 

Als ich in der Messe am Wochenende sagte, dass ich in Handrup bin und bleibe, haben sich alle gefreut und geklatscht. Ich spüre ein großes Entgegenkommen – aber auch Erstaunen. Als ich neulich auf dem Amt war, um meinen Wohnsitz anzumelden, meinte der Mitarbeiter: „Von Berlin wieder auf’s Land, wie kann man nur?“ Er konnte nicht verstehen, warum ich zurückgezogen bin. Berlin war schön. Ich werde die Stadt vermissen, aber Handrup ist eben auch schön.

Wie haben Sie den Wechsel von der Großstadt auf’s „platte Land“ empfunden?

Mir war bewusst, dass der Umzug eine Umstellung bedeutet. In Berlin gibt es viel zu erleben und zu sehen - allein die kulturellen Angebote, die täglich stattfinden! Aber so schwierig fiel es mir dann doch nicht. Wie gesagt, ich kenne Handrup ja schon. Die erste Nacht im neuen Bett habe ich trotzdem schlecht geschlafen. Kaum zu glauben, aber wahr: Hier ist es lauter als in Berlin. Ich habe ein paar Autos auf der Straße fahren hören, die direkt am Kloster entlangführt. In Berlin war es ruhig, obwohl unser Konvent sehr zentral liegt, nur ein paar Minuten vom Alexanderplatz entfernt.

Das Kloster in Handrup ist ein großes Haus mit vielen Mitbrüder. Daneben steht das Leoninum - das Gymnasium ist in Trägerschaft des Ordens. Was kommt jetzt auf Sie zu? 

Meine Aufgaben hier sind vielfältig. Es gibt drei wichtige Säulen: Kloster, Schule und Gemeinde. Im Kloster möchte ich  das Gemeinschaftsleben fördern. Wir sind neun Mitbrüder, eine gute Mischung aus Jung und Alt. Im Ort ist unser Hauptauftrag als Orden natürlich die Schule. Ich werde dort zwar nicht als Lehrer oder in der Schulleitung wirken, aber dennoch ansprechbar sein für Schüler, Eltern und Lehrer. Kloster und Schule sind ja bereits eng miteinander verbunden. Die Schule ist durch unsere dehonianische Spiritualität geprägt, wir engagieren uns in der Schulseelsorge. Vielleicht gibt es künftig noch mehr Möglichkeiten, um Angebote zu schaffen. Da bin ich auf jeden Fall gespannt. Und in der hiesigen Gemeinde werde ich auch präsent sein - als Seelsorger.

Das ist das erste Mal, dass Sie zum Rektor gewählt wurden. Was bedeutet das für Sie?

 Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so schnell diese Aufgabe auf mich zukommt. Ich sehe sie als Herausforderung, bin aber auch sehr zuversichtlich und freue mich. Was mir hilft, ist das Vertrauen der Mitbrüder und das der deutschen Ordensprovinz.

Sie stammen aus Brasilien. Warum sind Sie eigentlich nach Deutschland gekommen? 

Ich bin 2003 nach Deutschland gekommen – fast auf den Punkt genau 100 Jahre, nachdem die ersten deutschen Mitbrüder nach Brasilien aufbrachen. Ohne sie gebe es die Herz-Jesu-Priester in Brasilien vermutlich gar nicht. Sie haben sehr, sehr vieles dort aufgebaut. Schulen, Krankenhäuser, Kirchen und Klöster. Inzwischen besteht eine Kooperation zwischen der deutschen und den brasilianischen Provinzen. Brasilianische Mitbrüder kommen her, um hier zu arbeiten, weil es in Deutschland nur wenige Berufungen gibt. Mich hat man damals gefragt, ob ich Lust hätte, da ich deutsche Wurzeln besitze. Meine Vorfahren stammen aus der Nähe von Fulda. Zuhause sprechen wir deshalb auch Deutsch. 

Von Brasilien nach Deutschland, von Handrup nach Berlin und wieder zurück. Wie fühlt sich das an, so oft umziehen und sich immer wieder auf neue fremde Orte einstellen?

Ich bin schon viele Jahre bei den Herz-Jesu-Priestern – eigentlich schon seitdem ich 13 Jahre alt war. Damals bin ich in das Kleine Seminar, eine Ordensschule, gegangen. Umziehen gehört für mich irgendwie zum Ordensleben. 13 Mal habe ich in meinem Leben schon den Wohnort gewechselt – erst in Brasilien, dann in Deutschland. Ich bin das also gewöhnt. Und es tut auch gut, nicht immer am selben Ort zu bleiben. Aber manchmal, das gebe ich schon zu, war es schwer. Man knüpft Freundschaften, lebt sich ein, gewöhnt sich an Aufgaben. Ein Wechsel bedeutet immer wieder ein Loslassen, ein Aufbruch zu Neuem, eine Herausforderung.

Interview: Sabrina Becker

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